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„Suppentüte ist nicht gleich Süppentüte“

Haben Sie sich schon jemals Gedanken über Suppenbeutel gemacht? Wir haben mit Marion Bichler, Key Account Manager Europe, und Richard Aust, Global Key Account Manager bei Constantia Flexibles, gesprochen und einige interessante Aspekte herausgefunden.

 

Constantia Flexibles: Nur wenige von uns werden sich jemals ernsthafte Gedanken über den „Markt der Suppenbeutel“ gemacht haben. Können Sie uns einige Fakten und Zahlen nennen?


Marion Bichler: Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor dem langen Regal mit Trockensuppenbeuteln. Da können Sie sich sicher denken, dass dieser Markt sehr groß ist. Suppe wird in vielen Kulturen als „Comfort Food“ angesehen und ist sehr einfach zu kochen – besonders wenn man auf Fertigsuppen zurückgreift, die in fast jedem Supermarkt und Lebensmittelgeschäft auf der ganzen Welt gekauft werden können. Die größten Akteure sind zweifellos die Marken Knorr von Unilever und Maggi von Néstle SA.


Der Markt für Trockensuppen ist von 2,9 Milliarden EUR im Jahr 2010 auf über 3,3 Milliarden EUR im Jahr 2015 gewachsen. Das entspricht einem Wachstum von 2,3 %*) in 5 Jahren bzw. 358 Millionen EUR in absoluten Zahlen. Ein ziemlich großer Sprung.


(Quelle: Euromonitor … *) die 2,3 % beziehen sich auf die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR/Compound Annual Growth Rate)

Constantia Flexibles: Ein großer Markt. Der Kampf der Suppenhersteller um die Kunden findet im Supermarktregal statt … Wie kann die Kaufentscheidung durch die Verpackung beeinflusst werden?

Richard Aust: Die Verpackung spielt eine wichtige Rolle. Es ist der erste Aspekt, der dem Verbraucher ins Auge springt. Zunächst einmal sind die Designmerkmale von Bedeutung – ein matter oder glänzender Druck lässt den Suppenbeutel „hochwertiger“ aussehen und sorgt für Mehrwert. Zudem können auffällige Formen die Aufmerksamkeit der Verbraucher auf sich ziehen. Auch die Haptik kann die Wahl des Kunden beeinflussen. Dann gibt es noch weitere Merkmale, die für die Verbraucher wichtig sind: Die Verpackung muss sich leicht öffnen lassen und ein einfaches Ausgießen ermöglichen – abhängig vom darin befindlichen Produkt, können auch die Dosierkontrolle sowie eine Wiederverschließbarkeit eine Rolle spielen.


Constantia Flexibles: Ein Suppenbeutel ist also nicht unbedingt mit dem anderen vergleichbar?

Marion Bichler: Ganz und gar nicht. Natürlich gibt es die sichtbaren Merkmale, die Richard gerade erwähnt hat – einige Suppenbeutel haben auch eine andere Form, um sich von der Masse abzuheben. Dann gibt es noch verschiedene Beutelarten, die alle unterschiedlich aussehen, wie Standbeutel, 4-Rand-Siegelbeutel Beutel mit vierseitig umlaufender Versiegelung sowie wiederverschließbare Beutel.

 

Darüber hinaus bestehen Suppenbeutel aus unterschiedlichen Materialstrukturen, abhängig von den Anforderungen des Produkts in Bezug auf Barriereeigenschaften oder Durchstoßfestigkeit. Diese unterschiedlichen Materialstrukturen sind vom Verbraucher jedoch nicht erkennbar.


Constantia Flexibles: Über welche besonderen Merkmale verfügt der „Feinschmecker“-Beutel, den Sie vor einiger Zeit in Zusammenarbeit mit Ihrem Kunden entwickelt haben?

Marion Bichler: Der Unilever Feinschmecker-Beutel ist der erste peelfähige Standbeutel und stellt daher ein neues Format im Bereich der trockenen Lebensmittelprodukte dar.


Aufgrund der Kombination aus zwei Laschen und einer leicht aufziehbaren Öffnung, können die Verbraucher den Beutel sehr bequem und ohne weitere Hilfsmittel, wie eine Schere, öffnen. Da der Beutel darüber hinaus beim Öffnen nicht in zwei Teile gerissen wird, bleibt das Branding unversehrt und garantiert die uneingeschränkte Lesbarkeit von Zubereitungsanweisungen, Inhaltsstoffen, Haltbarkeitsdatum und weiteren Informationen.


Constantia Flexibles: Welche Trends sehen Sie als Experten aufkommen und was wird Ihrer Meinung nach im Bereich der Suppen- und Soßenverpackungen zukünftig wichtig sein?

Marion Bichler:
Zunächst werden neue Drucktechnologien, wie HD-Flexodruck und Digitaldruck, mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Außerdem befinden sich neue Beschichtungen in der Entwicklung, die die Anforderungen, wie Barriere- und Siegeleigenschaften, noch besser als heute erfüllen.


Zudem werden derzeit neue Rohmaterialien getestet – beispielsweise Materialien mit besseren Recycling-Eigenschaften oder mit einer höheren Kosteneffizienz, um Kosten einzusparen. Es gibt auch Bestrebungen, Verpackungen ohne Aluminiumfolie zu verwirklichen und dreischichtige Materialien dreilagen Verbunde durch zweischichtige Strukturen zweilagen Verbunde zu ersetzen.


In Bezug auf die Wertschöpfung der Marke wird es immer wichtiger, die Marke zu schützen und abzugrenzen, die Marke zu kommunizieren und die Maßnahmen zur Fälschungssicherung zu verbessern. Beim Blick auf den Markt ist zu erwarten, dass die Nachfrage nach „Convenience“- oder „To-Go“-Produkten weiter an Bedeutung gewinnen wird. Das Gleiche gilt für das seniorenspezifische Marketing, da dieser Teil der Bevölkerung wächst und sich zu einer immer wichtigeren Zielgruppe entwickelt.


Richard Aust:
Die Marktcharakteristik der Trockensuppen ist aktuell mit den Märkten anderer verarbeiteter Lebensmittel, wie Kaffee, vergleichbar, auch wenn der Markt in Zentral- und Osteuropa sowie Russland größer ist, wenn man ihn mit den Märkten anderer verarbeiteter Lebensmittel vergleicht.


Ich denke, dass das Verpackungsformat der Suppenbeutel sich nicht grundlegend verändern wird, da es die perfekte Lösung ist. Eventuelle Veränderungen werden langsam und schrittweise stattfinden. Die Druckqualität und das Erscheinungsbild wird weiterhin eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale für die Kundenmarketingabteilungen der großen Marken der Branche bleiben, was auch ein Grund dafür ist, dass sie bei Änderungen der Drucktechnologie eher vorsichtig sind.

 

Ich bin der Meinung, dass die größten Entwicklungen sich auf das einfache Öffnen der Beutel konzentrieren werden – besonders, wenn Filmlaminate (Kunststoff) anstatt Aluminiumlaminate zum Einsatz kommen. Filmlaminate erschweren das einfache „Aufreißen“ der Beutel, weshalb in diesem Bereich Innovationen zu begrüßen sind.


Constantia Flexibles: Wir danken Ihnen für das Gespräch.