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„Joghurtdeckel ist nicht gleich Joghurtdeckel“

Kennst du einen Joghurtdeckel, kennst du alle. Wir unterhielten uns mit Xavier Bonamour darüber, warum das nicht so ist und wo die Unterschiede liegen können. Bonamour ist Head of Product Management Dairy bei Constantia Flexibles und Experte für Extrusionsbeschichtungen.

Constantia Flexibles: Im Supermarktregal sehen alle Joghurtdeckel relativ gleich aus…

Xavier Bonamour: Auf den ersten Blick scheint das so zu sein. Deckel für Molkereiprodukte sind meist gestanzte Platinen aus Aluminium mit einer Siegelschicht, die das Aluminium umschließt. Diese wird erhitzt, um den Deckel an dem Joghurtbecher zu befestigen, sodass nichts raustropft. Die gibt es so seit mehr als 50 Jahren, sind aber natürlich immer weiterentwickelt und verfeinert worden. Früher bestand die Siegelschicht meist aus verschiedenen Lacken, heute gilt die Extrusionsbeschichtung mit Kunststoff als die neueste und modernste Technologie.

Constantia Flexibles: Wahrscheinlich haben sich wirklich noch nicht sehr viele Menschen Gedanken darüber gemacht, wie ein Joghurtdeckel produziert wird. Können Sie uns das erklären?


Xavier Bonamour: Das Herstellungsverfahren gilt nicht nur für Joghurtdeckel, sondern für circa 2/3 der Molkereiprodukte, die hier verpackt werden, wie etwa Streichkäse, Desserts, Saure Sahne oder auch Schlagsahne. Die Basis ist sehr, sehr dünn gewalztes Aluminium. Das machen wir hier bei Constantia Flexibles auch selbst – wir haben topmoderne Aluminium-Walz-Anlagen an unseren Standort Constantia Teich in Österreich.

Anschließend wird das dünn gewalzte Aluminium auf hochsensiblen Anlagen mit dem flüssigen Kunststoff beschichtet. Wir sprechen hier von hauchdünnen Beschichtungen, die noch dünner als ein durchschnittliches Haar sind. Bei Constantia haben wir ein spezielles Co-Extrusionsverfahren entwickelt, dass es uns erlaubt, gleichzeitig mehrere Schichten von verschiedenen Kunstoffen aufzubringen – so können wir die Anforderung unserer Kunden perfekt erfüllen.


Später werden die Deckel dann bedruckt und aus der Alurolle gestanzt – in der Größe, die vom Kunden gewünscht wird. In den Abfüllanlagen der Molkereien wird diese Kunststoffschicht dann leicht erhitzt, sodass der Deckel auf dem Joghurtbecher haften bleibt.

Constantia Flexibles: Sie sagten vorhin, dass früher Lacke verwendet wurden, und man heute eher zu Kunststoff tendiert. Was sind hier die Vorteile?

Xavier Bonamour: Zum einen hat das natürlich mit der veränderten Gesetzgebung zu tun, was Lebensmittel betrifft, zum anderen aber auch damit, dass neue Produkte auch andere Herausforderungen an die Verpackung stellen. Wir haben etwa 2002 mit der Co-Extrusionstechnologie begonnen, als ein großer Frischkäsehersteller sein Sortiment ausweitete und feststellte, dass seine Paprika- und Tomaten-Aufstriche aggressiver waren und einen größeren Korrosionswiderstand benötigten. Dafür ist das Extrusionsverfahren ideal – es bietet besseren Schutz gegen Korrosion, ist lösungsmittelfrei, verhält sich insgesamt neutraler gegenüber dem Lebensmittel und man kann die Becher mit niedrigerer Temperatur versiegeln. Das spart Strom in der Abfüllanlage.


Last but not least erlaubt das Co-Extrusionsverfahren uns auch, mit dünnerem Aluminium zu arbeiten. Ein gutes Beispiel ist unser „Die Cut 2020“ Deckel (http://www.cflex.com/products-applications/packaging/food/dairy/lidding-die-cut/die-cut-2020/). Hier werden bis zu 50 Prozent Material eingespart. So werden Ressourcen geschont und es wird insgesamt auch günstiger für unsere Kunden.


Sie können diesen Entwicklungs- bzw. Innovationsschritt in etwa mit der Revolution Elektroauto vergleichen. Optisch und von der wesentlichsten Funktion ist es nach wie vor der herkömmliche Joghurt Deckel – die nachhaltige CO2 und Material Einsparung, sowie das leise, sanfte Öffnungsverhalten ist für den Endkonsumenten auf den ersten Blick nicht ersichtlich.


Constantia Flexibles: Wenn Sie gemeinsam mit ihrem Kunden einen neuen Joghurtdeckel entwickeln – worauf kommt es an?

Xavier Bonamour: Wichtig ist natürlich, dass der Deckel einfach abzuziehen ist und dass er nicht einreißt. Außerdem muss er qualitativ einwandfrei bedruckbar sein – hier präsentiert der Hersteller natürlich seine Marke. Schlussendlich müssen auch alle Vorgaben der Lebensmittelgesetzgebung eingehalten werden, speziell was Schutz- und Barriere-Eigenschaften betrifft.


Constantia Flexibles: Eine Frage zum Schluss – können Sie noch neutral vor dem Kühlregal stehen oder untersuchen Sie automatisch die verschiedenen Verpackungen?

Xavier Bonamour: Der Blick ist natürlich immer geschärft, insbesondere bei Waren im Ausland. Das Einkaufserlebnis unterscheidet sich vermutlich maßgeblich von Konsumenten mit anderen täglichen Arbeits- bzw. Ausbildungsschwerpunkten. Ich shoppe gerne…