Zurück zur Übersicht

Achtung: Film ab!

"Von der Siegelfähigkeit bis hin zur Reißfestigkeit können wir alles prüfen." Am Constantia Flexibles Standort Hueck im oberpfälzischen Weiden wurde heute das brandneue R&D Kompetenzcenter für Film eröffnet. Wir sprachen mit dem Leiter für R&D Film, Achim Grefenstein unter anderem über zukünftige Projekte, die dort verwirklicht werden sollen.

 

Constantia Flexibles: Das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum hier in Weiden ist auf „Film“ spezialisiert. Da denken viele an Bewegtbilder. Was heißt „Film“ in der Verpackungsbranche?


Achim Grefenstein: Der Begriff kommt aus dem Englischen. Dort steht „Film“ für Folien aus Kunststoff, im Unterschied zu „Foil“, was für die dünnen Aluminiumfolien steht. Der Gesamtmarkt für flexible Verpackungen besteht zu mehr als 80 Prozent aus Laminaten aus Kunststofffolien. Deshalb war es für uns ein logischer Schritt, die R&D-Kompetenz in diesem Bereich durch das neue „CC Polymer Films and Film Laminates“ zu stärken.


Constantia Flexibles: Apple betreibt in Kalifornien einen eigenen Raum, wo Verpackungen getestet werden…muss man sich das bei Ihnen so vorstellen?


Achim Grefenstein:  Bei Apple in Kalifornien geht es überwiegend um Designfragen, wie Haptik, Materialien und Bedienfreundlichkeit. Das alles spielt natürlich bei uns auch eine Rolle, aber unsere Aufgaben gehen tiefer. Wir setzen bei der Entwicklung der „Grundmaterialien“ für Verpackungen an.


Dazu stellen wir uns folgenden Aufgaben:
Unsere Analytikabteilung ermittelt den exakten Aufbau unterschiedlicher Verpackungslaminate, so dass wir immer wissen, was unsere Wettbewerber einsetzen und welche Anforderungen diese Laminate erfüllen.


Unsere Rohstoffspezialisten für Kunststofffolien, Lacke, Kleber und sonstige Beschichtungsmaterialien halten einen engen regelmäßigen Kontakt zu unseren Lieferanten und Entwicklungspartnern und prüfen deren Neuentwicklungen auf die Einsetzbarkeit in unseren Produkten.


Mit unseren Laboranlagen können wir jedes Verpackungslaminat im Kleinmaßstab und für erste Kundenversuche herstellen. Auch erste Abpacktests können wir mit unserer Form-Fill-and-Seal-Anlage durchführen.


Und zu guter Letzt sorgen unsere Experten für Lebensmittelsicherheit/Produktkonformität für die Einhaltung der notwendigen Gesetze in den Bereichen Food und Pharma.

Constantia Flexibles: Was sind die drei wichtigsten Aufgaben des neuen Kompetenzzentrums?


Achim Grefenstein: In erster Linie unterstützen wir die Kollegen aus dem Sales-Bereich, hier vor allem die Produktmanager und Key Accounter, die den direkten Draht zu unseren Kunden haben und deren Bedürfnisse kennen. Mit diesen „Anforderungsprofilen“ kommen Sie dann zu uns und wir überlegen gemeinsam, wie wir das umsetzen können. Hier sind neben Design-Vorgaben oder neuen Materialien auch die Produktionsprozesse beim Kunden entscheidend. Wir können hier im Labor auch alle Qualitäts-Tests selbst durchführen – von der Siegelfähigkeit bis hin zur Reißfestigkeit können wir alles prüfen.


Eine zweite Aufgabe ist die Bündelung der Kompetenz weltweit, was beispielsweise Rezepturen für unser Rohmaterial angeht. Wir entwickeln hier nun eigene Zusammensetzungen, die unser Lieferant so produzieren muss. So wissen wir genau, was zum Beispiel in unseren Kunststoff-Folien drin ist und wie diese zusammengesetzt sind. So sind wir unserem Kunden gegenüber auch optimal auskunftsfähig und transparent, was insbesondere das wichtige Thema Food-Law, also Lebensmittelgesetze, angeht.


Die dritte Hauptaufgabe besteht darin, komplett neue Innovationen, sogenannte In-House-Developments, hervorzubringen. Diese greifen längerfristige Markttrends auf, wie zum Beispiel recyclingfreundlichere und nachhaltigere Verpackungen oder Verpackungslaminate, die bei unseren Kunden in deren Abpackprozessen zu weniger Abfall führen.

Constantia Flexibles: Wie läuft der R&D-Prozess bei Ihnen? Wie entwickeln Sie innovative Produkte?


Achim Grefenstein: Wir praktizieren im Konzern schon seit Jahren einen Stage-Gate-Prozess gemeinsam mit unseren internen Auftraggebern in den Divisionen. Seit einem halben Jahr haben wir diesen Workflow von der Projekt- oder Produktidee, über die Vorstudien, die eigentliche Projektphase bis zur Markteinführung in einem webbasierten Tool implementiert. So können sich Projektleiter und Gatekeeper, aber auch alle Projektteammitglieder über die für sie relevanten Projekte auch zwischen unseren weltweiten Standorten austauschen. Dies ist für das Know-how-Management in einer dezentralen Organisation ein wesentlicher Schritt.


Constantia Flexibles: Was sind die Trends der Zukunft?

Achim Grefenstein: Der Film-Bereich wird weiter stark wachsen. Vor allem in den sogenannten „Emerging Markets“ in Asien oder Afrika sind Verpackungen aus Film die Verpackungsart Nummer eins und dieser Trend wird sich auch fortsetzen.


Natürlich ist auch Recycling ein großes Thema, mit dem sich die Verpackungsindustrie auseinandersetzt. Es gilt, recycelbare Materialien zu finden, die eine Alternative zu den gängigen PET/PE Laminaten darstellen. Hier geht der Trend in Richtung Mono-Material Laminate, wo Materialien nicht mehr gemischt werden – die natürlich später beim Recycling größere Probleme bereiten – sondern die Verpackung aus einer einzigen Kunststoffsorte besteht. Diese muss aber natürlich trotzdem alle Eigenschaften aufweisen, die zum Schutz der Nahrungsmittel und zur Einhaltung von Lebensmittelgesetzen notwendig sind – eine große Aufgabe für die Forschung.

Constantia Flexibles:  Wenn Sie sich das aussuchen könnten - welches Produkt würden Sie persönlich gerne verbessern?


Achim Grefenstein: Flexible Verpackungen haben in vielen Bereichen schon erfolgreich andere, steifere und dickwandigere Verpackungen ersetzt. Ein Beispiel sind hier die sogenannten Stand-up-Pouches, die bei deutlich geringerem Materialeinsatz Flaschen für Getränke und Saucen zunehmend ersetzen.


Grenzen sind heute noch bei kohlensäurehaltigen Getränken gesetzt, da hier sehr hohe Drücke entstehen können, wenn die Verpackung zum Beispiel in einem heißen Auto im Sommer liegen bleibt. Hier bedarf es sicher noch weiterer Anstrengungen, die Festigkeit unserer Laminate und insbesondere der Siegelmaterialien zu verbessern…